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Die Konservierung
Erhaltungszustand der Grabkammer
Leider befindet sich die Grabkammer in einem sehr schlechten Zustand:
Der brüchige Kalkstein zeigt strukturell entfestigte Zonen des Steingefüges
und Störungen der oberflächennahen Bereiche. Risse durchziehen
das Felsgestein und gefährden die architektonische Gesamtstruktur.
Ein Pfeiler der Hauptkammer ist in sich so stark zerstört, dass eine
statische Gefährdung der gesamten Grabanlage nicht ausgeschlossen
werden kann. Starke Temperaturschwankungen und eine hohe Durchfeuchtung
bei heftigen Regenfällen haben insbesondere an der Fassade zur Zerstörung
und zum Abwittern der ursprünglichen Gesteinsoberfläche geführt.
Auch in der Grabanlage selbst hat eindringendes Regenwasser die Wandmalereien
gerade in den unteren Wandzonen geschädigt. Die Nutzung des Grabes
als Wohnraum und Stallung bewirkte einerseits die starke Verschmutzung
der Malereien, andererseits den Eintrag schädigender Salze durch
Exkremente. Darüber hinaus haben die Bewohner des Grabes sowie unbeaufsichtigte
Besucher durch Ritzungen und Gravuren Reliefs und Wandmalereien stark
beschädigt. Eine teilweise dicke, tiefschwarze Rußschicht überzieht
flächig die ehemals farbenprächtigen Darstellungen. Auch ist
insbesondere im Sockelbereich der Wand der Putz aufgrund mangelnder Haftung
von den Wänden gefallen. Bereits in der Erbauungszeit des Grabes
mussten starke Unebenheiten, die durch Abbröckeln des instabilen
Felsgesteins in den Wänden entstanden waren, durch zentimeterdicken
Putz ausgeglichen werden. Davies erwähnt schon 1933 die mangelnde
Haftung des Putzes, was insbesondere in den unteren Bereichen zum unwiederbringlichen
Verlust von Malereien geführt hat (Garis Davies, N., 1933, S. 5).
Durchgeführte Maßnahmen
Da die ägyptische Gräberverwaltung ein gesteigertes Interesse
hat, diese Grabkammer dem Tourismus zugänglich zu machen, sind konservatorische
Maßnahmen dringend notwendig. Nicht nur die ästhetische Präsentation
der Kunstwerke steht im Vordergrund, sondern insbesondere der Schutz der
Substanz vor schädigenden Einflüssen. Die unkontrollierte Öffnung
einer Grabkammer für den Tourismus stellt mit Sicherheit eine extreme
Belastung für die jahrtausendealten Objekte dar, so dass im Vorfeld
besondere Vorgehensweisen festgelegt werden müssen, die eine dauerhafte
Konservierung der Grabkammer gewährleisten.
Zu Beginn des Projektes wurde die Grabkammer in dem Zustand fotografisch
dokumentiert, in dem sie von den Projektteilnehmern vorgefunden wurde.
Auf der Grundlage des fotografischen Abbildungen werden zeichnerisch Material,
Technologie und Schäden lokalisiert. Mit Hilfe digitalisierter Aufnahmen
der Wandmalereien, der Grabfassade und der Steinobjekte können am
Computer die für die konservatorische Behandlung der Objekte relevanten
Daten gesammelt, kartiert und kontinuierlich aktualisiert werden. Des
weiteren werden selektiv naturwissenschaftliche Analysen bestimmter
Substanzen durchgeführt, die im Grab vorgefunden wurden. Dies führt
zu einer exakten Kenntnis der Schadenssituation und der Auswahl genau
abgestimmter Konservierungsmaterialien. Die eingesetzten Maßnahmen
und Materialien müssen zudem auf das vor Ort herrschende aride Klima
abgestimmt sein.
Kontinuierliches Klimamonitoring mit täglich 4 Messungen von
Temperatur und Luftfeuchte im Laufe des ganzen Jahres geben Information
zur klimatischen Situation in- und außerhalb der Grabkammer. So
können z.B. problematische Anstiege der Luftfeuchtigkeit durch starke
Regenfälle oder eventuelle Temperaturschwankunken die im Zuge der
Konservierungsmaßnahmen auftreten unmittelbar registriert werden.
(Messinstrumente: HOBO-Datalogger, der Firma Krah & Grote)
Auf der Grundlage dieser Zustands- und Bestandsdokumentation und
ausführlicher Untersuchungen wird ein objektspezifischer Maßnahmenkatalog
erstellt, der in den jährlich stattfindenden Kampagnen Schritt für
Schritt umgesetzt werden soll. Dabei wird flexibel auf spontan eintretende
Veränderungen der Objektsituation eingegangen. Primäres Ziel
der Konservierungsarbeiten ist es, den langfristigen Erhalt der historischen
Substanz zu sichern, ohne neues Schadenspotential zu schaffen. Daher ist
gerade die Wahl geeigneter Konservierungsmaterialien, die keine zusätzlich
schädigenden Auswirkungen auf das Objekt haben, von entscheidender
Bedeutung.
Zu Beginn der Konservierungsarbeiten werden vor allem flankierende
Maßnahmen und Notsicherungen an extrem gefährdeten
Objektteilen durchgeführt. Bei den flankierenden Maßnahmen
handelt es sich z.B. um die Konstruktion eines Vordaches zum Schutz gegen
die intensive Sonneneinstrahlung und gegen direkte Beregnung. Auch die
kontrollierte Wasserführung im Bereich des Vorhofes ist notwendig,
da der völlig ausgetrocknete Boden kaum Wasser aufnehmen kann und
daher bei Regen das Wasser in großen Mengen auf dem abfallenden
Gelände zum Grab hinfließt und somit die Grabanlage gefährdet.
Schwerpunkt der laufenden Arbeitskampagnen sind Versuchsreihen zur Evaluierung
geeigneter Konservierungs- und Restaurierungsmethoden. Primär geht
es darum, eine geeignete Reinigungsmethode
für die stark verrußten aber gleichzeitig fragilen Wandmalereien
zu entwickeln.
Das Projekt "PROCON TT49" beinhaltet neben der Auseinandersetzung
mit den Kunstwerken auch die enge Kooperation von Wissenschaftlern und
Wissenschaftlerinnen verschiedener Länder und verwandter Disziplinen.
Archäologen, Ägyptologen und Konservatoren arbeiten Hand in
Hand und sind bemüht, durch Informationstransfer und konstruktive
Zusammenarbeit bestmögliche Entscheidungen zu treffen.
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