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Die Grabkammer
Architektonische Beschreibung des Felsengrabes TT49
Neferhotep ("Schön ist die Gnade") war in der 18. Dynastie
(um 1330 v. Chr) im Tempel von Karnak oberster Schreiber des Gottes Amun.
Seine Grabstätte ist reich mit Wandmalereien, Skulpturen und Reliefdarstellungen
ausgestattet.
Die Anlage des Felsengrabes folgt dem für die Privatgräber
Thebens charakteristischen Typus.
Das vertikale Gliederungsschema unterscheidet dabei drei übereinander
liegende Ebenen:
A Pyramide
B Vorhof, Vestibül, Vierpfeilersaal
C Grabkammer
Die Pyramide, die in der Regel über den Grabräumen errichtet
wurde, ist in der Grabanlage TT 49 leider nicht mehr erhalten. Der ebenerdig
angelegte, für kultische Handlungen vorgesehene Bereich der Felsengrabanlage
mit dem Vestibül und dem Vierpfeilersaal vereint in seiner Bauweise
die T-Form der frühen 18. Dynastie mit dem großen Vierpfeilerraum
der Amarnazeit (Hodel-Hoenes, S.: Leben und Tod im alten Ägypten.
Thebanische Privatgräber des Neuen Reiches, Darmstadt 1991). Der
zu der eigentlichen Grabkammer führende, grob in den Fels gechlagene
Gang war zunächst verschüttet, konnte im Zuge der ersten Arbeitskampagnen
von den argentinischen Archäologen freigelegt werden.
Die Ausstattung der Grabkammer
Das Grab, vor dem ein großer, rechteckiger Vorhof angelegt ist,
wurde direkt in den Felshang gearbeitet. Die Fassade und die sich anschließenden
Kulträume sind nach Osten ausgerichtet, so dass der Tote symbolisch
vom Osten in den „schönen Westen“ tritt. Die in drei
Achsen unterteilte Eingangsfassade zeigt rechts und links neben dem zentralen
Eingang zur Grabstätte durch architektonische Rahmungen eingefasste
Stelen mit in den Fels gearbeiteten Hieroglyphen.
Ein enger Durchgang führt in die Grabanlage hinein, dieser ist mit
weiteren farbig gefassten Flachreliefdarstellungen des verstorbenen Neferhoteps
und seiner Frau Merit-Re versehen: Auf der einen Seite des Türdurchganges
tritt das Paar aus dem Grab heraus, auf der gegenüberliegenden Seite
verehren sie die westliche Sonne und treten in das Grab hinein. Das daran
anschließende Vestibül ist ein länglich rechteckiger Raum,
dessen verputzte Wände und Decken reich mit Malerei ausgestattet
sind. An den Stirnseiten findet man jeweils ein stuckierte Stele. An den
Wänden sind Bestattungszeremonien mit Klageweibern sowie Festszenen
zu sehen.
Eine zentralen Szene zeigt die Zusammenkunft des Grabinhabers mit dem
Pharao und seiner Gemahlin. Die Übergabe des Ehrengoldes durch den
Pharao an Neferhotep ist Zeichen für die besondere Stellung Neferhoteps
in Diensten des Pharaos.
Der Zugang zum fast quadratischen Hauptraum befindet sich architektonisch
in der Flucht mit dem Grabeingang. Die zentrale Raumachse wird links und
rechts zu den seitlichen Raumteilen hin von Pfeilern abgegrenzt - ähnlich
einem Haupt- und zwei Seitenschiffen. Das mittlere Schiff schließt
durch eine Figurennische ab: Als vollplastische Sitzfiguren sind Neferhotep
und seine Frau dargestellt, beidseitig flankiert von zwei weiteren Paaren.
Die Skulpturen sind zum Teil aufwendig farbig gefasst, wobei das linke
Figurenpaar bildhauerisch nicht fertiggestellt wurde. Die Ausrichtung
der Raumöffnungen auf eine zentrale Achse und der Grabfassade nach
Osten folgt der Regie der aufgehenden Sonne: Das von außen einfallende
Sonnenlicht erreicht für einen Augenblick die Sitzfiguren Merit-Res
und Neferhoteps.
Die bildlichen Darstellungen an den Wänden des Pfeilersaals deuten
hauptsächlich auf das diesseitige Leben Neferhoteps hin.
Ist in den Malereien der Nordwand vor allem das Alltagsgeschehen dargestellt,
zeigt sich der Grabherr und seine Gemahlin auf den Pfeilern vorwiegend
in anbetender Pose. Sie verehren jedoch keine Gottheiten sondern vergöttlichte
Menschen. Es handelt sich dabei um Amenophis I. und seine Mutter Ahmes-Nofretete,
die Schutzherren der Nekropole, die ihnen gegenüber stehen. Die Gewänder
der Figuren sind feinplissiert, die Körper leicht schwellend.
Kulturhistorische und stilistische Besonderheiten
In der motivischen Vielfalt der Darstellungen manifestiert sich die herausragende
kulturhistorische Bedeutung der Privatgräber in Theben. Denn neben
Szenen ritueller Handlungen ist in den Privatgräbern insbesondere
die altägyptische Alltagskultur detailreich inszeniert. So ließ
Neferhotep die Wände seines Grabes einerseits mit Darstellungen von
Gebeten und Opferungen verzieren, andererseits aber auch mit Szenen seines
beruflichen und privaten Alltags. Als Aufseher der Güter des Amun
oblag ihm die Überwachung des Viehs, des Getreides und der Sklaven.
Es finden sich Darstellungen der Brandmarkung von Rindern, Eintragung
von Sklaven in Listen und der Papyrusernte. Vorratsräume werden kontrolliert
und alle Ein- und Ausgänge von Getreidesäcken notiert. Von besonderer
Bedeutung ist die einzige zeitgenössische Darstellung des Tempels
von Karnak. Vor dem Tempel breitet sich ein See aus, dessen Ufer mit Bäumen
und Lotospflanzen begrünt ist. In einem benachbarten Register ist
die Bewässerung von Feldern und Dattelpalmen zu erkennen. Ebenso
findet sich die Darstellung eines Schadufs, eines Ziehbrunnens mit Schwengel,
der auch in der heutigen Zeit so zu finden ist.
Gerade für eine stilistische Betrachtung sind die Privatgräber
von besonderem Interesse. Vergleicht man sie mit den Königsgräbern
zeigen sie eine Loslösung von den dort vorherrschenden Stereotypen.
Die stilistische Untersuchung dieser Grabanlage TT 49 führt zu einer
Erweiterung der Kenntnis über die Kunst der Nachamarnazeit. Nach
der Revolution des altägyptischen Gesellschaftssystems und dessen
religiöser Ausrichtung durch Echnaton, die sich auch in einem deutlichen
Wandel in der künstlerischen Darstellung manifestiert, ist in der
Nachamarnazeit eine Rückbesinnung auf das alte Wertesystem zu verzeichnen.
Wurde bislang angenommen, dass diese restauratorischen Tendenzen auch
die künstlerische Ausdruckweise betreffen, zeigt das Grab TT 49 jedoch
interessanterweise im Realismus und Detailreichtum des Dargestellten ein
Fortbestehen der für die Amarnazeit charakteristischen Formensprache.
„Das Grab des Neferhotep ist das einzige und größte Privatgrab
in der ca. 800 Beamten- und Priestergräber umfassenden Nekropole
Thebens, in dem sich diese Epoche sowohl in den Texten wie den Darstellungen
und dem Stil wiederspiegelt.“ (Prof.Dr. Erika Feucht, Ägyptologisches
Institut, Universität Heidelberg)
Die herausragende Stellung dieser Wandmalereien unter den Dekorationen
der Privatgräber hebt auch die wissenschaftliche Fachliteratur hervor:
„The pictures in the tomb of … Neferhotep (49) are now recognizable
only with the greatest difficulty; were they still as perfect as in the
days of Wilkinson this would be the most attractive tomb of the entire
necropolis.”(A.H. Gardener; A.E.P. Weigall; Litt, London 1913)
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